Poker Faces

Pokerspieler die sich einen Namen gemacht haben
"Amarillo Slim" Preston

Thomas Austin Preston wurde im Jahr 1928 geboren und ist einer der bekanntesten Pokerspieler überhaupt. Er lebt, wie sollte es anders sein, in Amarillo, Texas. Er hat die WSOP im Jahr 1972 gewonnen und eine Autobiographie namens "In a World of fat People" geschrieben, die auf jedem Fall lesenswert ist. Amarillo Slim hat schon mit Personen wie Richard Nixon, Larry Flint oder Lyndon B. Johnson am Pokertisch gesessen. Sein Leben soll mit Nicolas Cage in der Hauptrolle verfilmt werden. Über ihn sind zahlreiche Geschichten überliefert.

So soll er auf einem Kamel durch das edelste Kasino von Marakesh geritten sein und er soll von Pablo Escobar aufgrund einer Verwechslung während der Eröffnungsfeier eines Kasinos in Kolumbien entführt worden sein.

Im Jahre 2003 wurde er wegen Belästigung Minderjähriger angeklagt. Die Anklage wurde 2004 nach einem Handel mit der Verteidigung reduziert und er bekannte sich schuldig. Er bekam eine Bewährungstrafe in Höhe von 2 Jahren und musste 4000 $ zahlen.

Chris Ferguson (nach oben)

Chris "Jesus" Ferguson wurde am 11. April 1963 in Los Angeles gebohren.

Ferguson besuchte die University of California, Los Angeles (UCLA), wo er 1999 einen Doktortitel im Bereich Informatik (Schwerpunkt Künstliche Intelligenz) erhielt.

Ferguson spielte bereits Poker, als er unter 10 Jahre alt war. Im College schliff er seine Fertigkeiten durch IRC-Poker, wo er in Chatrooms um Geld spielte. 1994 begann er Turniere in Kalifornien zu besuchen und 1995 nahm er zum ersten Mal an der World Series of Poker teil. Ferguson besiegte T. J. Cloutier im Hauptturnier der World Series of Poker 2000 und gewann so das Preisgeld von 1.500.000 US-Dollar.

Er ist einer von zwei Spielern, die mehrere Titel bei den World Series of Poker Circuit-Turnieren gewonnen haben. Er siegte in Las Vegas und in San Diego und gewann zusammen mehr als eine Million US$.

Im Jahr 2005 beendete Ferguson die National Heads-Up Poker Championship als Zweiter hinter Phil Hellmuth. Er schaffte es 2006 nochmals ins Finale, aber gelangte wieder nur auf den zweiten Platz, diesmal hinter Ted Forrest. 2008 gelang es ihm endlich sich im Finale gegen Andy Bloch durchzusetzen und gewann somit 500.000 US-Dollar.

Ferguson erhielt den Spitznamen "Jesus" durch sein Markenzeichen: lange, braune Haare und Bart. Im Fernsehen wurden einige interessante Fakten über ihn erzählt, inklusive seiner Präsidentschaft in einem Swing-Tanzklub auf der Universität wie auch seiner Fähigkeit, die Karten so schnell zu werfen, dass sie durch Bananen und Essiggurken schneiden.

Am 13. September 2008 fand die Million Euro Challenge (MEC 2008) in den Rheingoldhallen in Mainz statt. Nach einem Interview zerteilte Chris Ferguson eine Karotte mithilfe einer Spielkarte.

Im April 2006 nahm Chris Ferguson die Herausforderung an, aus 0 Dollar einen Betrag von 10.000 Dollar zu gewinnen. Er begann mit Freeroll-Turnieren und benötigte 7 Monate um auf 6,5 Dollar zu kommen. Nach 9 weiteren Monaten erreichte er die 10.000-Dollar-Marke. Das gewonnene Geld spendete er Save the Children.

Bisher gewann er mehr als 7.300.000 $ in Pokerturnieren.

Seine Spielweise wird unter den etablierten Pokerspielern als äußerst tight angesehen. In den frühen Jahren seiner Karriere basierten seine Entscheidungen beim Pokern ausschließlich auf der Mathematik und er gilt deshalb neben Andy Bloch als "Mathematiker des Poker" (englisch: "math guy"). Bei Turnieren sind ihm diese Fähigkeiten stets von großem Vorteil, machen ihn aber in den großen Cash Games zu einem eher ungefährlichen Spieler. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich dementsprechend - anders als der Großteil seiner Kollegen - fast ausschließlich mit Turnieren. In den letzten Jahren hat Ferguson seine Spielweise nach eigenen Aussagen etwas geändert, da er durch seinen ansteigenden Bekanntheitsgrad von anderen Spielern, die ihn aus dem Fernsehen kannten, mehr und mehr berechenbar wurde. Er hat zwar das Image des äußerst tighten Spielers beibehalten, ist aber nun auch in der Lage, unkonventioneller zu spielen.

Chris Moneymaker (nach oben)

Chris Moneymaker ist wirklich der echte Name des 27jährigen Gewinners der World Series of Poker 2003. Seine Geschichte klingt wie ein modernes Märchen. Sie begann damit, dass er den Buy-In für die WSOP durch ein Satellite-Turnier beim Online-Poker gewann. Er setzte insgesamt 40 $ ein und gewann 2.500.000 $. Als er den Buy-In gewann, war es schwierig für ihn, das Geld für ein Flugticket nach Las Vegas und das Hotel aufzubringen. Sein Vater Mike und ein Freund namens David Gamble, auch wieder ein echter Name, liehen ihm gegen eine Gewinnbeteiligung das Geld aus. Chris spendete $25.000 seines Preisgeldes für die Krebsforschung.

Christopher Brian Moneymaker eroberte die World Series of Poker 2003 im Sturm. Die meisten Leute glaubten, dass Chris damals einfach Glück mit den Karten hatte. Natürlich spielte das Glück eine Rolle aber Chris hat einfach gezeigt, dass er es versteht, mit den ganz Großen zu spielen. Er hatte vor diesem Turnier drei Jahre Poker gespielt, jedoch nie in einem Live Turnier. Am ersten Tag hatte er Johnny Chan zu seiner Rechten und Phil Ivey zu seiner Linken. Nicht gerade die Idealposition. Er dachte, er würde sofort ausgespielt werden, beschloss aber in der ersten Nacht, sich nicht mehr einschüchtern zu lassen. Wenn er geschlagen werden würde, würde er geschlagen werden, aber er musste sein Spiel machen. Und das tat er! Er schlug sich fantastisch und spielte wunderbares Poker. Das Blatt, an das sich die meisten Leute noch erinnern können, ist das, bei dem er mit 88 gegen Humberto Brenes' AA spielte. Er bekam die dritte Acht und hatte ein Set. Humberto war aus dem Rennen. Wie gesagt, ohne Glück und einen Rush kann man die WSOP mit ihren mittlerweile tausenden von Teilnehmern nicht gewinnen. Man kann Sie aber auch absolut nicht gewinnen, wenn man schlecht spielt.

Daniel Negreanu (nach oben)

Daniel Negreanu ist zu Recht einer der bekanntesten Pokerspieler. Sein Erfolg ist enorm, sein Talent außer Konkurrenz und seine Persönlichkeit einzigartig. 2004 gewann Daniel den Award für den Spieler des Jahres beim Cardplayer-Magazine's Turnier sowie bei der WSOP. Seine Turniergewinne betrugen 2004 über $4.400.000 $.

Daniel Negreanu ist einfach der netteste Pokerspieler von allen. Er kommt gut mit allen aus. Er ist die Ausnahme von der Regel, dass jemand umso schlechter Poker spielt, je netter er ist. Bei Daniel ist es genau umgekehrt. Schauen Sie ihm im TV zu und hören Sie sich an, was er sagt. Da spricht ein Könner. Seine Analysen sind messerscharf und oft werden die Gegner weiß im Gesicht, wenn sie hören, wie Daniel ihre Hand interpretiert.

Daniel sagt über Poker: "Ich bin in erster Linie Pokerfan und dann erst Spieler. Ich freue mich, dass Poker immer beliebter wird und werde alles tun, Integrität und Image des Spiels schützen zu helfen."

Doyle "Texas Dolly" Brunson (nach oben)

"Texas Dolly" wurde im Jahre 1933 in Texas geboren und war zunächst Basketball Spieler. Kurz bevor er zur NBA wechseln wollte, machte ihm eine Sportverletzung einen Strich durch die Rechnung. Danach begann seine Karriere als professioneller Pokerspieler. Doyle Brunson hat die WSOP im Jahr 1976 und 1977 gewonnen, also "Back to Back". Er ist der Autor der Pokerbibel "Super-System - How I won A Million Dollar playing Poker" und ist heute noch ein aktiver und gefürchteter Spieler in Las Vegas.
Gus Hanson (nach oben)

Fast jeder kennt Gustav Hansen wegen seiner Erfolge bei der World Poker Tour. Während seiner ersten Saison war er der Gewinner der Veranstaltung im Bellagio Casino wie auch der im Commerce Casino. Gustav Hansen ist seit vielen Jahren Profi. Bevor er Pokerspieler wurde, war er ein hochrangiger Backgammon-Spieler. Im kalifornischen Santa Cruz begann er mit dem Pokern und ursprünglich kommt er aus Kopenhagen. Gus Hanson ist das Paradebeispiel für einen loose-aggressiven Spieler. Er hat diese Form des Pokers zur Perfektion gebracht. Gegen ihn zu spielen, ist der reine Alptraum. Er kann locker hunderttausende Dollar auf 74-offsuit setzen und durch sein perfektes Post-Flop Game die Sache nach Hause bringen. Von vielen Pokerspielern werden solche Hände mittlerweile einfach "Ein Gus" genannt. Es ist wirklich eine Freude, dem Mann bei der Arbeit zuzusehen.

Gus selber ist von seinem Können nicht so überzeugt und eher bescheiden geblieben. Kürzlich sagte er: "Ich will nicht sagen, dass ich ein großartiger Spieler bin, aber einer muss ja gewinnen". Mehr Understatement geht wirklich nicht. Das ist, als wenn der Papst sagen würde, er hätte eine eher untergeordnete Funktion in der Kirche.

Howard "The Poker Professor" Lederer (nach oben)

Howard Lederer verließ das College, um Schachspieler zu werden, fand sich aber schließlich am Pokertisch wieder. Er arbeitete tagsüber und spielte nachts. Nach vielen Verlusten fand er einen Weg, seinen Lebensunterhalt mit Poker zu verdienen und wurde zu dem Spieler, der er heute ist. Er brachte auch seiner Schwester Annie Duke das Spiel bei. Sie ist heute eine der bekanntesten weiblichen Pokerspielerinnen und sehr erfolgreich.

Man findet selten einen Pokerspieler, der in diesem Spiel so ausgeglichen und ruhig ist. Mehr als genug Spieler jammern darüber, wie ein Gegner sein Blatt gespielt hat, oder wie jemand beim River einfach nur Glück gehabt hat. Howard Lederer aber nie. Er ist die Ruhe in Person. Leider macht diese Ruhe und Ausgeglichenheit es etwas anstrengend, seine Pokerlehrvideos anzuschauen. Als er 5 Minuten mit monotoner Stimme erklärte, wie man sich aus zwei Jokern eine Cut-Card bastelt, bin ich leider eingeschlafen.

Jennifer Harman (nach oben)

Jennifer Harman gehört zu den erfolgreichsten Pokerspielerinnen weltweit. Jennifer spielt seit über zehn Jahren professionell Poker. Ihr Weg dahin war steinig. Sie gibt freimütig zu, dass sie am Anfang ihrer Karriere ihre Fähigkeiten und ihre finanziellen Mittel häufig überschätzte. Sie hat aber aus ihren Fehlern gelernt. Sie musste sich Geld leihen, doch schaffte es zurück ins Geschäft. Jennifer sagt, dass jeder professionelle Pokerspieler mehr als einmal im Leben sein gesamtes Geld verspielt hat, ihr Fall sei also nichts Besonderes.

Sie lebt mit ihrem Mann Marco Traniello in Las Vegas. Früher war sie mit Todd Brunson, dem Sohn von Doyle Brunson zusammen.

Veranstaltungen nur für Frauen schätzt Jennifer nicht besonders. Auf das "Ladies-Only Event" bei der WSOP angesprochen, erwiderte sie, dass gleichzeitig immer auch ein anderer offener Event stattfinde. Den spiele sie lieber. Das Preisgeld sei höher. Das ist die richtige Einstellung. Ich denke, dass man als Frau im Poker Vorteile hat, weil man über bessere soziale Antennen verfügt als ein Mann. Zudem haben viele Männer gerade schönen Frauen gegenüber immer noch eine "Beisshemmung".

Während der WSOP 2004 musste sich Jennifer einer Nierentransplantation unterziehen. Ihre Nichte spendete ihr eine gesunde Niere. Jennifer geht es seither blendend.

Johnny Chan (nach oben)

Johnnie Chan, auch bekannt als "Orient Express" kam im Alter von 9 Jahren mit seinen Eltern aus China in die USA. Mit 21 Jahren kam er nach Las Vegas, wo er zunächst als Koch arbeitete. Schon bald spielte er mehr und mehr nach seinen Schichten und konnte das Kochen schließlich ganz aufgeben. Er gewann die WSOP im Jahre 1987 und 1988. Er hat auch 1998 einen Kurzauftritt im Pokerfilm Rounders. Der Film enthält Filmmaterial von Chan's Sieg gegen Eric Seidel bei der WSOP von 1988.
Mike "The Mouth" Matusow (nach oben)

Mike Matusow lebt in Las Vegas, Nevada. Man kennt ihn als einen der besten Omaha Hi/ Low-Spieler der Welt. Er begann seine Pokerkarriere als Dealer in Las Vegas. Im Hauptevent der WSOP 2005 belegte er den neunten Platz.

Mike "The Mouth" Matusow hat seinen Spitznamen absolut verdient. Bei den Fernsehübertragungen des Hauptevents der WSOP steht Mike häufig im Mittelpunkt. Er hat sich 2004 mehrmals mit dem Gewinner Greg Raymer angelegt, doch holte er sich dabei regelmäßig eine blutige Nase. Mike versuchte massiv, Greg mit Worten zu ärgern. Das heißt, er laberte einfach Mist. Mike redet nicht nur viel, wenn der Tag lang ist, er redet, als hätte er mit einer Zeitmaschine den Tag um das zehnfache verlängert. Unglaublich. Man muss es mal gesehen haben. Das Händeschütteln im Anschluss an die Partie verweigerte Greg Raymer, weil dieser ihn zuvor zu extrem beleidigt hatte.

Matusow ist ein sehr emotionaler Mensch. Er musste weinen, als er 2004 bei der WSOP ausschied. Manchmal kommt es während großen Turnieren zu den berüchtigten "Matusowschen Ausrastern". Von einem Matusowschen Ausraster spricht man, wenn er zu Beginn eines Turniers sein bestes Poker spielt, um dann Alles mit nur einem Blatt oder innerhalb weniger Runden in den Sand zu setzen. Während der WSOP 2005 war es scheinbar mal wieder so weit. Der Dealer warf Mike unsauberes Spiel vor. Der Turnierleiter wurde gerufen und sollte eine Entscheidung fällen. Mike verteidigte sich und wurde dabei von den anderen Spielern am Tisch unterstützt. Der Turnierleiter beließ es bei einer Verwarnung. Doch nur wenige Augenblicke später stieß Mike, immer noch verärgert, einen unangemessenen Fluch aus: Das F-Wort. Der Leiter meinte, er müsse ihn mit einer 10-Minuten-Strafe belegen. Dieses Wort sei am Pokertisch tabu. Mikes Antwort: "F… that". Das waren 10 weitere Strafminuten. "F-ing great", so Mikes Kommentar. Noch mal 10 Strafminuten. Beim Verlassen des Tisches ließ Mike es sich nicht nehmen, noch einmal 10 Strafminuten für einen weiteren Fluch zu sammeln. Insgesamt 40 Strafminuten, doch aus dem Publikum wurde ihm applaudiert.

Am besten kann ich mich an Mike's Interview aus dem Jahr 2005 bei der WSOP erinnern. Er sprach über sein Leben und darüber, wie er sich verändert hat. Er sagte, er habe seine wilden Jahre jetzt hinter sich. Ich fühlte mich wirklich emotional berührt von seinen Worten und dachte: Menschen können sich also doch ändern. Danke Mike, dass du mir das gezeigt hast. Im Anschluss an die Fernsehübertragung der WSOP wurde Mike leider zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte angeblich für einen Zivilfahnder Drogen besorgt. Das war zumindest Mikes Version der Geschichte.

Phil Hellmuth Jr. (nach oben)

Phil Hellmuth Jr. gehört zu den erfolgreichsten Turnierpokerspielern aller Zeiten. Allein von seinen Erfolgen bei der World Series of Poker können die meisten Spieler nur träumen. Er besitzt 10 WSOP-Armbänder, hat sich in über 35 Events platziert und gehört zu den Top-Geldgewinnern beim Poker. Eines seiner Armbänder erhielt er für den Gewinn der WSOP 1989, als er gerade 24 Jahre alt war und somit zum jüngsten Gewinner dieses wichtigen Events wurde. Er verhinderte in diesem Jahr, dass Johnny Chan diesen Event dreimal hintereinander gewann.

Leider ist Phil Hellmuth auch ein Spieler, der nicht gut verlieren kann und seine Emotionen nicht immer im Griff hat. Er wird daher auch der John McEnroe des Poker genannt. Er hält sich wirklich für den besten Spieler aller Zeiten und von ihm stammt der berühmte Ausspruch. "I guess, if there wasn?t Luck involved, I would win everyone", (wenn das Spiel nichts mit Glück zu tun hätte, würde ich jedes Mal gewinnen). Unvergessen ist auch sein Auftritt bei einer WSOP, in dem er sich in seinem Haus filmen ließ. Die erste Einstellung zeigt Phil Hellmuth Jr., der in seinem Bett neben einer angebrochenen Klorolle aufwacht. Es geht dann weiter, wie er sich die Zähne putzt und ihm dabei die Sabbel aus dem Mund läuft.

Vielleicht noch ein Wort zu Phil Hellmuth's Einstellung. Ich liebe diesen Spieler. Er hält sich für den besten Spieler aller Zeiten. Ob er Recht hat, oder nicht, sei dahingestellt. Er erteilt uns aber eine wichtige Pokerlektion: Man muss sich für einen Gewinner halten, wenn man gewinnen will. Egal was die anderen über einen denken.

Stu "The Kid" Ungar (nach oben)

Stuart "The Kid" Ungar wurde 1953 als Sohn jüdischer Einwanderer geboren. Mit 10 Jahren begann er, in New York Gin-Rummy zu spielen. Das erste Turnier, an dem er teilnahm, gewann er und er erspielte in der Folgezeit als Kind über 35.000 Dollar. Allerdings verlor er das meiste Geld wieder bei Pferdewetten. Seine Gin-Rummy Karriere ging weiter und er kam 1976 nach Las Vegas, wo er seine langjährige Freundin heiratete und eine Tochter bekam.

Ein Hauptgrund, warum Stu mit dem Poker anfing, war einfach darin zu sehen, dass die gesamte Gin-Rummy Action dieser Zeit durch ihn faktisch gestoppt wurde. Er war einfach zu gut. Stu konnte jeden Gegner besiegen. Der beste Spieler im Gin bis zu Ungars Erscheinen war damals Harry "Yonkie" Stein. Stein verlor in einem High-Stakes Gin Spiel so übel gegen Ungar, dass er seine Karriere schlagartig beendete und fortan in Gin-Rummy Kreisen nicht mehr gesichtet wurde. Nach diesem Ereignis fand Ungar einfach niemanden mehr, der gegen ihn im Gin antreten wollte. Er war gezwungen, sich ein Handicap bei jedem Gin Spiel zu geben. Er bot seinen Gegnern z. B. an, jeweils die letzte Karte im Stoss anzusehen. Bei anderen Gelegenheiten bot Ungar an, in jeder Runde der Dealer zu sein. All das nützte nichts. Ungar gewann trotzdem jedes Spiel.

Bei einer Gelegenheit schummelte ein Opponent. Ungar's Bodyguard teilte Ungar dies mit. Ungar blieb ganz cool und sagte, dass er das schon längst wüsste, es mache aber nichts, weil er ihn ohnehin schlagen würde. So geschah es dann auch.

1980 nahm Ungar zum ersten Mal an der World Series of Poker teil und gewann prompt, indem er die Pokerlegende Doyle Brunson besiegte. Von da an ging es weiter. Er gewann die WSOP erneut in darauffolgenden Jahr 1981 und noch mal im Jahr 1997.

Stu Ungar war der beste No-Limit Texas Hold'em Spieler aller Zeiten. Ich denke, das kann man hier an dieser Stelle so sagen. Er hatte ein photographisches Gedächtnis und einen sehr hohen I.Q. Dazu hatte er das Kämpferherz eines Löwen. Es ist wirklich nicht übertrieben, wenn man sagt, dass Stu Ungar ein Mozart des Poker war.

Leider hatte er über das Talent hinaus auch andere Eigenschaften, die Mozart ebenfalls hatte. Wie Mozart war Stu Ungar ein leidenschaftlicher Zocker. Er verzockte sein Geld wo es nur ging, vor allem beim Golf. Als er das erste Mal in seinem Leben einen Golfplatz betrat, verlor er 80.000 Dollar. Insgesamt waren es Millionen. Darüberhinaus hatte Stu ein massives Drogenproblem. Er liebte Kokain und das wurde ihm zum Verhängnis. Es scheint so, dass sich ein derart schneller Verstand einfach auch viel schneller langweilt und immer einen Kitzel braucht. Ob es das Zocken ist, oder das Kokain. Ich denke, dass das Hirn von Ungar einfach nicht für das normale Leben gebaut war. Ungar's Gehirn war eher wie ein Formel-Eins-Wagen, der nur für die Rennstrecke konzipiert ist, aber eben nicht für die Straße. Ähnlich war es bei Ungar. Sein Geist war für das Kartenspiel geschaffen. Im echten Leben versagte er.

1990 wurde Stu Ungar am dritten Tag der WSOP mit einer Überdosis Kokain auf seinem Hotelzimmer gefunden. Er musste ins Krankenhaus und konnte nicht weiterspielen. Sein Chip-Stack war aber bis dahin schon so groß, dass er am Ende noch den 9. Platz belegte, obwohl er nur noch weggeblindet wurde. Sein Preisgeld betrug 20.500 Dollar.

Stu gewann immer sehr viel Geld beim Poker, um es danach komplett für Drogen und Sportwetten zu verschwenden. Stu war in seinem Leben viermal Millionär und viermal total pleite. Es war immer das gleiche Muster. 1997 gelang es ihm, nach 16 Jahren, den WSOP-Mainevent erneut zu gewinnen, was eine unglaubliche Leistung darstellt. Die Presse taufte ihn daraufhin "The Comeback-Kid" und Stu hat den Sieg seiner Tochter Stephanie gewidmet. Den Gewinn verschleuderte er leider wieder für Drogen und Sportwetten. 1998 konnte er bei der WSOP nicht antreten, weil er völlig geschwächt von seiner Kokainsucht war. In den Folgemonaten lief er durch Las Vegas und bettelte um Geld. Er behauptete, er brauche das Geld, um wieder zurück an den Pokertisch zu kommen. Ein Bluff. In Wirklichkeit kaufte er sich Crack.

Am 22. November 1998 wurde Stu Ungar tot auf seinem Hotelzimmer gefunden. Die Todesursache war nicht eindeutig festzustellen, aber er ist wohl letztlich an den Folgen seines jahrzehntelangen Drogenkonsums gestorben. Es war nicht einmal Geld für eine Beerdigung vorhanden, so dass ein Freund von Stu, nämlich Bob Stupak, eine Kollekte veranstalten musste.

Stu Ungar hat mit seinem außerordentlichen Talent insgesamt über 30 Millionen Dollar am Pokertisch gewonnen. Er hat als einziger Mensch dreimal die WSOP im Turniersystem gewonnen. Seine Tochter eröffnete die WSOP 2005 mit den Worten: "Shuffle Up and Deal." Sie selbst spielt nicht.

TJ Cloutier (nach oben)

TJ Cloutier hat weltweit bereits über 50 große Pokerturniere gewonnen und dabei zwischen 7 und 8 Millionen Dollar verdient. Er wird von vielen Spielern als der beste Turnierspieler der Welt angesehen.

TJ spielte zunächst Profifootball bei den Montreal Allouettes, als ihn eine Verletzung dazu zwang, seinen Sport aufzugeben. Danach betrieb er einen Nahrungsmittelhandel, der im Jahr 1976 Pleite ging. Er fuhr mit seinen letzten 100 Dollar in der Gesäßtasche nach Texas, wo er ein halbes Jahr auf einer Ölbohrplattform arbeitete. An seinen freien Tagen spielte er Poker und fand bald heraus, dass er hiermit mehr verdienen konnte, als mit seiner normalen Arbeit.

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